Wann Eltern alarmiert sein sollten

Schulangst: Steckt Mobbing dahinter?

Was sind Anzeichen für Mobbing, auch wenn mein Kind mir nichts sagt? Was kann ich tun, wenn mein Kind Opfer von Mobbing geworden ist? Sollte ich mich an die Schule wenden? Diese und mehr Fragen beantwortet Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Spitczok von Brisinski.

Autor: Kinderpsychiater im Netz
Mobbing
Foto: © Fotolia.com / stefanolunardi

Es gibt zahlreiche Warnsignale

Wenn ein Kind nicht mehr in die Schule gehen will, bereits am Morgen über Bauchschmerzen klagt, oder sich plötzlich seine Freunde abwenden, können dies Anzeichen dafür sein, dass es in der Schule gemobbt wird. „Gewalt an Schulen ist kein seltenes Phänomen – bis zu 30 Prozent aller Kinder und Jugendlichen machen diese Erfahrung in Form von verbalen Beleidigungen, Ausgrenzung oder körperlichen Übergriffen. Beschädigte oder verschwundene Schulsachen oder gar Prellungen oder Kratzer am Körper eines Kindes sind mögliche Warnsignale“, berichtet Dr. Ingo Spitczok von Brisinski vom Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP) mit Sitz in Köln.

Bei einem Verdacht sollten Eltern nachfragen

Kinder, die gemobbt werden, schämen sich oftmals deswegen und berichten zuhause nicht selbst davon. Haben Eltern den Verdacht, sollten sie ihr Kind ansprechen und es behutsam dazu ermutigen, von der Situation und seinen Gefühlen zu erzählen. Gemeinsam mit ihrem Kind sollten sie dann überlegen, wie sie weiter vorgehen. „Besteht das Mobbing noch nicht so lange, kann es beispielsweise ausreichen, mit dem Kind gemeinsam das Verhalten in Situationen zu üben, in denen es unter Druck gesetzt wird, sodass es lernt, sich angemessen zu wehren“, empfiehlt Dr. Spitczok von Brisinski. „Emotionale Unterstützung aus der Familie und eine positive Rückmeldung über die Stärken des Kindes sind ebenfalls wichtig, damit das Kind mehr Selbstvertrauen gewinnt und in der Lage ist, sich gegenüber Gleichaltrigen durchzusetzen.“

Die Taten und die Folgen

Beim Mobbing kommt es über längere Zeit zu offener oder subtiler Gewalt gegen Personen mit dem Ziel sozialer Ausgrenzung. So beleidigen Mitschüler den Betroffenen, werten ihn ab, hänseln ihn wegen seines Aussehens oder enthalten ihm Informationen vor. Auch die Beschädigung von Eigentum oder das Erpressen von Geld oder Schulsachen sind möglich. „Neuere Formen von aggressivem Verhalten unter älteren Kindern oder Jugendlichen sind belästigende Nachrichten via SMS oder E-Mail sowie die Verbreitung diffamierender Informationen über eine Person in sozialen Netzwerken. Diese Form von Gewalt kann unter Umständen sogar schlimmere Folgen für die psychische Gesundheit der Betroffenen haben als körperliche Übergriffe oder Sachbeschädigung“, warnt der Experte. „Ein andauerndes Mobbing-Erleben beeinträchtigt das Selbstwertgefühl der Betroffenen und sie beginnen zu verinnerlichen, was über sie gesagt wird. Diese Art negativer Gedanken kann die Entwicklung von Depressionen und Angsterkrankungen fördern. Auch unspezifische psychosomatische Beschwerden, wie Kopf- und Bauchschmerzen oder Schlafstörungen können als Folgen von Mobbing auftreten.“

Was kann man noch tun?

Wird ein Kind oder Jugendlicher bereits seit längerer Zeit gemobbt, ist es sinnvoll sich mit dem Klassenlehrer oder der Schulleitung in Verbindung zu setzen, damit diese handeln. Mobbing ist ein Gruppenphänomen, das sich weiter steigern und eskalieren kann, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird. „Wichtig ist dann, dass die Täter zur Rede gestellt und ihnen die psychischen Folgen für das Opfer klargemacht werden. Denn den Tätern mangelt es oftmals an Empathie und an Kenntnis über die Auswirkungen ihres Verhaltens. Lehrer oder andere vermittelnde Personen müssen klar Stellung beziehen und das Opfer unterstützen“, meint der Kinder- und Jugendpsychiater. Für den Mobbing-Betroffenen können begleitende psychotherapeutische Maßnahmen hilfreich sein, die ihm den Umgang mit den negativen Erfahrungen erleichtern. „Auch mit dem Täter muss auch gearbeitet werden, damit er lernen kann, auf sein mobbendes Verhalten zu verzichten und seine Bedürfnisse auf sozial verträglichere Art zu befriedigen. Oft haben die Täter selbst große Probleme und versuchen mit ihrem mobbenden Verhalten eigene Schwierigkeiten zu überdecken“, ergänzt Dr. Spitczok von Brisinski.

Mehr Informationen zur psychischen Gesundheit bei www.kinderpsychiater-im-netz.de